Samstag, 7. Januar 2017

Kindheitstrauma und Gesundheit im Erwachsenenalter



Kindheitstrauma und Gesundheit im Erwachsenenalter  Blattgold Dr.Becker ® 



Missbrauchserfahrungen in der Kindheit sind mit physischen und psychischen Gesundheitsstörungen im Erwachsenenalter assoziiert.
Es wurde auch ein ungünstiger Einfluss auf das Gesundheitsverhalten in einer aktuellen Studie festgestellt, die den Einfluss verschiedener Formen von Kindheitstraumatisierung auf das Gesundheitsverhalten erwachsener psychosomatischer Patienten untersuchte.

Relevante Traumatisierungserfahrungen sind:
Sexueller Missbrauch,
emotionaler Missbrauch,
körperlicher Missbrauch,
emotionale Vernachlässigung,
körperliche Vernachlässigung.


Frühe traumatische Erlebnisse haben einen großen Einfluss auf die Entwicklung psychischer Störungen. Kinder mit Missbrauchserfahrungen wiesen in einer Studie ein doppelt so hohes Risiko dafür im Erwachsenenalter eine diagnostizierte Depression zu entwickeln. Es fanden sich auch Zusammenhänge zwischen Art der Kindheitstraumatisierung und der Diagnose. Bei psychosomatischen Patienten zeigten sich Verbindungen zwischen emotionalem Missbrauch und Depression sowie zwischen körperlicher Misshandlung und somatoformen Störungen. Je stärker der Missbrauch in der Kindheit war, desto schwerere psychische Störungen lieben im Erwachsenenalter vor.
Es ist anzunehmen, dass sich ein in der Kindheit erlebter ungünstiger Umgangsstil als Internalisierung in "schlechtem" Umgang mit sich selbst ausdrückt. Vorstellbar ist aufgrund der schädlichen Einflüsse in der Kindheit auch eine damit einhergehende geringere Selbstregulationsfähigkeit und Stresstoleranz, die sich in ungünstigerem Gesundheitsverhalten zeigt.

Es wurden Routinedaten von Patienten aus einer Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ausgewertet. 56 % der Patienten waren weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei 39,5 Jahren. Es wurde das Childhood Trauma Questionaire eingesetzt, um Kindheitstraumatisierung zu untersuchen.
Der Missbrauch (sexuell, körperlich, emotional) und Vernachlässigung (körperlich, emotional) wurden damit erfasst.
Bei sexuellem Missbrauch wurden sexuelle Aktivitäten erfasst, die von Erwachsenen ausgingen.
Körperlicher Missbrauch thematisiert körperliche Gewalt von Personen der Primärfamilie.
Emotionaler Missbrauch ermittelt wahrgenommene Abwertung, Ablehnung und verbalte Verletzung in der Familie.
Körperliche Vernachlässigung erfasst die Beeinträchtigung des körperlichen Wohls aufgrund mangelnder Fürsorge.
Emotionale Vernachlässigung bezieht sich darauf in welchem Umfang psychische Grundbedürfnisse wie Liebe, Zugehörigkeit und Unterstützung unbefriedigt blieben.

Ergebnisse
Unter den Traumatisierungserfahrungen war emotionaler Missbrauch am häufigsten. Frauen gaben dies häufiger an als Männer, ebenso wie emotionale Vernachlässigung. In Bezug auf körperliche Vernachlässigung und körperlichen Missbrauch unterschieden sich die Geschlechter nicht signifikant voneinander. Sexueller Missbrauch wurde insgesamt seltener angegeben, von Frauen dreimal häufiger.

Body-Maß-Index (BMI)
Frauen mit sexueller Traumatisierungserfahrung haben ein doppelt so hohes Risiko vollschlank zu sein. Der Anteil adipöser Patientinnen lag auch bei emotionalem Missbrauch und körperlicher Vernachlässigung signifikant höher. Männer mit Kindheitstraumatisierung waren im Erwachsenenalter auch häufiger beleibt. Es gibt keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Für Frauen zeigte sich aber tendenziell eine höhere Verletzlichkeit ab. Der Zusammenhang mit Untergewicht wurde geprüft, wobei sich keine deutlichen Verknüpfungen ergaben.

Zigarettenkonsum
Frauen mit sexueller Missbrauchserfahrung in der Kindheit hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko zu rauchen.  Darüber hinaus waren bei Frauen alle vier weiteren Missbrauchserfahrungen mit einem positiven Raucherstatus augenfällig. Auch bei emotionaler Vernachlässigung, körperlicher Missbrauchserfahrung und körperlicher Vernachlässigung lag das Risiko zu rauchen höher. Für Männer trifft dies nur im Falle von emotionalen Missbrauch zu. Der Raucheranteil stieg je mehr Formen traumatischer Erlebnisse eingetreten waren.

Körperliche Inaktivität

Körperliche Inaktivität kann bei männlichen Patienten im Falle emotionaler Vernachlässigung und emotionalen Missbrauchs signifikant häufiger vor. Bei Frauen lagen keine wesentlichen Zusammenhänge vor. Zusammenhänge zwischen körperlicher Inaktivität zeigen sich nur bei Männern, insbesondere bei emotionalem Missbrauch und emotionaler Vernachlässigung. Aus welchen Grund Missbrauchserfahrung in der Kindheit ausschließlich bei Männern signifikant mit körperlicher Inaktivität zusammenhing, lässt sich anhand der verfügbaren Daten nicht genauer analysieren.

Schlussfolgerung
Hauptsächlich sexueller Missbrauch in der Kindheit ging bei Frauen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einher, im Erwachsenenalter Raucherin zu sein, einen höheren Zigarettenkonsum zu haben und übergewichtig zu sein.
Bei Männern hingegen war emotionale Missbrauchserfahrung in der Kindheit eher mit körperlicher Inaktivität assoziiert.
Das Gesundheitsverhalten ist keine rein individuelle Lebensstilfrage, sondern wesentlich durch frühe Belastungsfaktoren biopsychosozial mitbestimmt. Im gesundheitsschädigenden Verhalten setzt sich die früher erlittene schlechte Behandlung durch die Familie fort.
Die Befunde zeigen, dass das Gesundheitsverhalten durch frühe Missbrauchserfahrungen mitbestimmt wird. Die Prävention von psychischen Erkrankungen und der Boden für eine gesunde Lebensführung nehmen bereits in der Kindheit ihren Anfang.





Quelle: 

Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Journal of Psychosomatic Medicine and Psychotherapie
Organ der Deutschen Gesellschaft f+r Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) 62.    Jahrgang 4/2016 ISSN 1238-3608
Till F. Beuterl, Rüdiger Zwerenz, Matthias Michal
Retrospektiv berichtete Kindheitstraumatisierung und Gesundheitsverhalten im Erwachsenenalter von psychosomatischen Patienten.




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... sie unbehandelt bleiben, die Schlafstörungen negative Auswirkungen auf das Lernen, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Verhalten haben.

Sonntag, 1. Mai 2016

Psychologische Gründe für Babymassage

Die enorme Bedeutung der frühen emotionalen Erlebnisse des Menschen im 1. und 2. Lebensjahr ist heute weitgehend anerkannt. Vor allem die Befriedigung der Abhängigkeits- und Zärtlickeitsbedürfnisse des Babys spielen eine zentrale Rolle.

Gehaltenwerden  Blattgold Dr.Becker ® 


Selbst Mutter zu werden kann für manche Frauen schwierig sein und ein umdenken erfordern. Als Mutter muss die Frau selbst Schutz und Zuwendung anbieten, statt sie für sich zu verlangen. Außerdem verliert eine Frau mit der Mutterschaft einen Teil ihrer Unabhängigkeit, weil sie für das Kind sorgen muß. Die Babymassage kann einen Beitrag leisten mit der Abhängigkeitsthematik besser fertig zu werden und zu lernen dem eigenen Kind Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit zu geben bis die "mütterlichen Qualitäten" zu einem Teil des Selbst der Mutter werden.

Ein "mütterliches Milieu" hat sehr viel zu tun mit körperlichem Kontakt, Hautzärtlichkeit und dem Erlebnis des Getragen-Werdens und Sich-Anklammerns, wie H.Harlow mit seinen Untersuchungen an Rhesusaffen nachweisen konnte. Dieser "Minimalkomfort" ist bereits bei Rhesusaffen für eine ungestörte Entwicklung erforderlich. Der Mensch braucht darüber hinaus Interesse, Angnommenwerden und emotionale Zuwendung.

Die "Organe primitiver Wahrnehmung" für den Säugling sind neben dem Mund in der frühen Entwicklung die Haut, das Labyrinth (Gleichgewichtsorgan) und die Hand. Das Erlebnis das man zärtlich zum Baby ist erfährt es über die Haut beim Drücken, Schmusen und Streicheln. Dies führt zu einem Grundgefühl bei dem kleinen Menschen, dass er jemand ist, den man lieb hat. Es wird also eine positive Basis für sein Selbstbild gelegt. Zudem entsteht ein positives Körperbild unter anderem durch den Beitrag der Stimulation der Haut, also der Körperoberfläche, verbunden mit einem positiven emotionalen Umfeld. Das Körperbild fällt anfangs mit dem Selbstbild völlig zusammen, das Kind kann nicht zwischen sich selbst und seinem Körper unterscheiden.

Das Video zeigt eine Babymassage:



Eine desinteressierte oder gar ablehnende Umwelt vermittelt dem Kind eine unzureichende Möglichkeit der Entwicklung eines stabilen Ich und Selbst. Auch die Erfahrung seines Körperbildes wird mangelhaft sein. Es kann seine Abgrenzung zur Umwelt, seine Haut, nicht lustvoll erfassen. Es lernt, psychologisch ausgedrückt, nicht gut zwischen sich und der Umwelt eine Grenze zu ziehen.

Je jünger das Kind ist, desto mehr sind körperliches und psychisches Gedeihen eins. Das abgelehnte Kind zeigt bereits früh im ersten Lebensjahr typische Ernährungsstörungen wie Dreimonatskoliken und andere Symptome wie Schlafstörungen oder übermäßiges Weinen.

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Aus: Hoffmann/ Hochapfel. Neurotische Störungen und psychosomatische Medizin. 8. Auflage. 2009. Schattauer.S.28 – 31.

Samstag, 3. Oktober 2015

Prosoziales Verhalten fördern mit Lubo aus dem All!

„Lubo aus dem All! – Vorschulalter“ ist ein soziales Trainingsprogramm für Kindergartenkinder. Da bereits 13 –18 % aller Vorschulkinder zumindest vorübergehend gravierende Verhaltensprobleme mit teils langfristigen negativen Folgen zeigen, ist ein altersangemessenes präventives Förderprogramm für den Kindergarten hilfreich, um das Wissen der Kinder über prosoziale Problemlösestrategien zu fördern und um prosozialen Verhalten zu verbessern.


Prosoziales Verhalten fördern  Blattgold Dr.Becker ®


Prosoziales Verhalten steht im Gegensatz zu antisozialem Verhalten. Es handelt sich dabei um Handlungen, die von der Gesellschaft positiv bewertet werden. Prosoziales Verhalten hat positive soziale Konsequenzen zur Folge und trägt zu physischem oder psychologischen Wohlergehen einer anderen Person bei. Beispiels für Prosoziales Verhalten sind z.B. Kooperation, Freundschaft, Hilfeleistung, Rettungsaktionen, Opfer bringen, Teilen, Sympathie, Vertrauen.


Problematische Verhaltensweisen bei Vorschulkindern sind beispielsweise Hyperaktivität, aggressives/oppositionelles Verhalten oder auch internalisierendes Verhalten wie Angst, Traurigkeit und Rückzugsverhalten. Während einige Verhaltensprobleme nur von vorrübergehender Natur sind, sind auch stabile aggressive Verhaltensprobleme die im Vorschulalter beginnen zu beobachten. Diese haben langfristige negative Folgen wie spätere psychische Störungen, Schulabbrüche und Delinquenz. Kinder mit Verhaltensstörungen verfügen häufiger über geringere sozial-emotionale Kompetenzen. Die Emotionsregulation fällt ihnen schwer, und sie besitzen deutlich weniger soziale Problemlösestrategien. Hinzu kommt eine geringere Empathiefähigkeit und kaum unterstützende, positive Freundschaften. Hiermit zusammenhängend verfügen sie häufig über eine recht starre sozial-kognitive Informationsverarbeitung und bevorzugen aggressive Verhaltensweisen in Konflikten.


Inhalte in „Lubo aus dem All!“ für das Vorschulalter sind die Vermittlung von Emotionswissen, Emotionsausdruck und Emotionsrregulation sowie von sozialen Konflikt- und Problemlösestrategien, aber auch von Perspektivübernahme und dem Aufbau von Freundschaften. Die theoretische Grundlage stellt dabei das Modell der sozial-kognitiven Informationsverarbeitung (SIP) dar. In Form eines Manuals liegen 34 klar strukturierte Sitzungen vor, die jeweils 35–40 Minuten dauern. Sie werden über einen Zeitraum von circa 12 Wochen dreimal wöchentlich in Kleingruppen von 9–14 Vorschulkindern durch Erzieher/innen durchgeführt. Das soziale Training ist in eine Rahmenhandlung um den „Außerirdischen Lubo“ eingebettet. In der Geschichte reist „Lubo“ auf die Erde, um etwas über Gefühle, Freundschaften und ein gutes Miteinander zu lernen. Er stößt dabei immer wieder auf soziale Probleme und die Kinder helfen „Lubo“ bei der Problemlösung und damit auch sich gegenseitig. Sowohl die Eltern als auch die Erzieher/innen weden aufgefordert, verschiedene Rituale wie „Lubos Problemlösekreis“, eine kleinschrittige Denkstrategie zur Lösung sozialer Problemsituationen, im Alltag aufzugreifen.

Im Großraum Köln willigten 15 von 100 zufällig ausgewählten Kindergärten ein, an einer Studie über die Wirksamkeit von "Lubo aus dem All" teilzunehmen. Sowohl direkt nach der Intervention als auch fünf Monate später zeigten sich in Bezug auf die prosozialen Problemlösestrategien bei den trainierten Kindern beträchtliche Verbesserungen. Die Kinder hatten nach dem Training mit "Lubo aus dem All"mehr positive Strategien zum Umgang mit problematischen sozialen Situationen zur Verfügung als vorher. Die positiven Ergebnisse durch „Lubo aus dem All!“ könnten auf die altersadäquate Gestaltung mit aktivierenden und affektiven Methoden zurückzuführen sein.

Ein altersangemessenes soziales Förderprogramm im Kindergarten kann also das kindliche Wissen über prosoziale Problemlösestrategien verbessern. Das soziale Training „Lubo aus dem All!“ kann insofern als eine effektive Präventionsmaßnahme im Kindergarten zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und Vermeidung von Verhaltensstörungen vor deren Verfestigung angesehen werden.


Quelle:
Prävention von Verhaltensstörungen durch Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Vorschulalter
Preventing behavioral disorders via supporting social and emotional competence at preschool age
Dtsch Arztebl Int 2015; 112(39): 647-54; DOI: 10.3238/arztebl.2015.0647

Schell, Annika; Albers, Lucia; Kries, Rüdiger von; Hillenbrand, Clemens; Hennemann, Thomas

Donnerstag, 9. Juli 2015

Vergiftungen von Kindern mit Rotem Fingerhut

Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)  Blattgold Dr.Becker ®



Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit dem Roten Fingerhut. Ich war noch ein Kindergartenkind und es war Sommer. Meine Freundinnen zeigten mir den Roten Fingerhut, der auf einer Wiese mit hohem, wild wachsenden Gras wuchs und sie meinten diese Pflanze dürfe man nicht anfassen, denn sie sei giftig. Der Rote Fingerhut übte sogleich eine besondere Faszination auf mich aus. Ich war begierig darauf, dass meine Freundinnen mir diese Pflanze zeigten. Strahlend schön, im Sonnenlicht Funken sprühend, sich sanft hin und her wiegend stand der Rote Fingerhut mitten im hellgelben Feld. Was war das bloß für eine mächtige Pflanze, die man nicht berühren durfte, so schimmernd, kraftvoll und verlockend. Ich erzählte meinen Eltern von dieser Pflanze und wollte sie ihnen später zeigen, doch konnte ich den Roten Fingerhut nicht mehr finden. Noch ein weiteres Mal ging ich den Roten Fingerhut suchen, dieses Mal alleine, aber er war nicht mehr da. Ich war darüber sehr enttäuscht, denn ich wollte den Roten Fingerhut so gerne noch einmal sehen und diesmal nicht nur über den Zaun lugen, sondern die roten Blüten von Nah sehen. Das mysteriöse Verschwinden konnte ich mir damals nicht erklären. Heute vermute ich, dass besorgte Eltern diese Giftpflanze aus Angst davor, dass ihre Kinder davon "naschen" könnten entfernt haben. Dieses Video zeigt den Roten Fingerhut:




Insbesondere während der Sommermonate sind Vergiftungsunfälle, bei denen Kinder Pflanzenteile essen, häufig. Sehr giftige Pflanzen sind sowohl in der Natur z.B. Bilsenkraut, Stechapfel, Tollkirsche, Schierling, aber auch in Gärten und als Kübelpflanzen anzutreffen z.B. Eisenhut, Herbstzeitlose, Engelstrompete, Rizinus. Wenn ich heute an Gärtnereien vorbeigehe, sehe ich nicht selten den Roten Fingerhut als Zierpflanze. Wer sich den Roten Fingerhut als Zierpflanze anschafft, ist gut beraten wenn er Obacht gibt insofern Kinder in den Nähe sind.


Kleinkinder zeigen fast ausschließlich Interesse für die schönen und optisch sehr attraktiven Blüten. Der Verzehr der Blüten bedeutet kein wesentliches Problem. Die Blätter enthalten jedoch Digitoxin in größeren Mengen. Die hochgiftigen Blätter und Stengel schmecken bitter und wegen des schlechten Geschmacks kommt es selten zu Vergiftungen. Die braunschwarzen, punktgroßen Samen sind zu klein, um eine wesentliche Rolle bei Vergiftungen zu spielen.


Symptome bei Vergiftungen mit den Blättern reichen von Übelkeit, Erbrechen, Durchfall bis hin zu Herzrhythmusstörungen bei größeren Mengen. Da der Verzehr der Blüten erfahrungsgemäß keine Symptome hervorruft , sollte nur nach größeren Mengen Aktivkohle gegeben werden. Falls das Kauen der bitteren Blätter nicht schon spontanes Erbrechen zur Folge hatte, ist die vorsorgliche Magenentleerung nach dem Essen von mehr als kinderhandgroßen Blättern ratsam. Außerdem eine stationäre Überwachung im Krankenhaus. Bei Auftreten von Herzsymptomen würde wie bei einer Digitalisvergiftung ein Digitalisantidot, ein Gegenmittel, verabreicht werden und EKG-Kontrollen durchgeführt werden.


Quelle:

Vergiftungen im Kindesalter von Karl Ernst von Mühlendahl, Ursula Oberdisse



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Samstag, 4. Juli 2015

Duftmemo fürs Kinderfest

Ein Duftmemo ist ein Spiel das man sehr gut bei Kinderfesten spielen kann. Besonders gut passt es zu einem Kinderfest unter dem Motto "Fest der Sinne" mit Stationen für Fühlen, Riechen, Schmecken, Hören und Sehen. Ein Duftmemo ist ein ruhiges Spiel, das Kinder trotzdem sehr gut annehmen. Der Geruchssinn wird im Alltag kaum bewusst für Spiele benutzt, daher sind Kinder erstmal verwundert und interessiert, wobei es sich bei dem Spiel Duftmemo handelt. Kinder ab ca. 4 Jahre können die Düfte beim Duftmemo bereits sehr gut zuordenen. 

Duftmemo Blattgold Dr.Becker ®

Das Spiel Duftmemo geht folgendermaßen: 
Es gibt 3 gebastelte Blumen, deren Blüten ein Wattepad besitzen das mit ätherischem Öl beträufelt wird (z.B. Grapefruit, Thymian, Lavendel). Einige Düfte z.B. Iris sind nach 2-3 Stunden wieder verflogen, was man bei der Planung berücksichtigen sollte.  Eine entsprechende Anzahl aus Toilettenpapierrollen gebastelter Bienchen werden ebenfalls mit den gleichen Düften beträufelt. Man kann dazu in die Bienchen-Toilettenrolle ein Wattepad mit ätherischem Öl legen. Die Kinder nehmen ein Bienchen, um daran zu riechen und sollen durch Riechen an den Blumen herausfinden auf welcher Blume die Biene gesessen hat. Das tun sie mit allen drei Bienchen und ordnen Bienen und Blumen einander zu. Als Belohnung für das Mitmachen bekommen die Kinder z.B. einen Stempel.
Vorsicht ist bei der Auswahl der ätherischen Öle geboten. Es sind nur unbedenkliche ätherische Öle zu verwenden. Außerdem müssen die Fläschchen außer Reichweite von Kinder aufbewahrt werden. Verschlucken ätherischer Öle in grösseren Mengen kann zu Vergiftungen von Kindern führen, wie in dem unten stehenden Video gezeigt wird und in diesen Artikeln erläutert wird.





Sonntag, 26. April 2015

Kräuterbeet für den Kindergarten

Ein Kräuterbeet für den Kindergarten sieht schön aus und die Kinder können eine Menge dabei lernen. Es gibt Kräuter aus denen Tee hergestellt werden kann, Gewürzkräuter um Speisen schmackhafter zu machen und Arzneikräuter. Fast alle Kräuter haben einen ganz spezifischen Duft, z.B. Lavendel. Einige der Kräuter können von den Kindern selbst gesät werden, z.B. Ringelblume und Kapuzinerkresse. Andere Kräuter können von den Kinder als kleine Pflanzen gesetzt werden. 


Kräuterbeet im Kindergarten  Blattgold Dr.Becker ®

Nicht jedes Kraut ist jedoch robust genug, um so viel kindliche Liebe auszuhalten. Beispielsweise verträgt Lavendel es nicht, wenn er zu viel gegossen wird. Hier ein Bild von einer zuviel gegossenen Lavendelpflanze (im violetten Übertopf) aus einem Kräuterbeet im Kindergarten. Im Vordergrund ist Basilikum und Petersilie zu sehen.


Kräuterbeet im Kindergarten  Blattgold Dr.Becker ®

Die meisten Kräuter sind aber anspruchslos und gedeihen im Kindergarten gut. Dabei können die Kinder beobachten wie die Kräuter wachsen und sich im Laufe des Jahres verändern. Die Kräuter wachsen in die Höhe, tragen Blüten und anschließend bringen sie Samen hervor. Die Samen der Kräuter können im Folgejahr wieder selbst gesät werden. Minzen eignen sich dazu selbst Tee herzustellen und die Kräuter der Pizzafraktion (Oregano und Majoran) können Speisen verfeinern! Aus Ringelblume kann eine Salbe gegen "blaue Flecke" hergestellt werden. Der Lavendel kann zu duftenden Stäußchen gebunden den Kindergarten verschönern.

Beispiel für ein Kräuterbeet im Kindergarten:
Teepflanzen: marokkanische Minze, Zitronenverbene
Gewürzpflanzen: Majoran, Oregano, Petersilie, Dill
Arzneipflanzen: Lavendel

Folgende Kräuter wären auch passend für ein Kräuterbeet im Kindergarten. Alle genannten Pflanzen sind ungiftig!:
Schnittlauch
Borretsch

Das folgene Video stellt die Heilpflanze Thymian kurz vor:





Video Heilpflanze Pfefferminze: 



Die Pflanzenbeschreibungen sind zum Teil der Homepage der Demetergärtnerei www.lichtenborner-kraeuter.de entnommen und von mir noch etwas verändert worden. Ich empfehle für ein Kräuterbeet für den Kindergarten Kräuter aus Demeter Anbau, weil sie sehr wiederstandfähig und vor allem unbelastet sind.


Marokkanische Minze  Blattgold Dr.Becker ®

Marokkanische Minze (Mentha spicata var. crispa 'Marokko')
Diese Minze ist vor allem als Teeminze bekannt und beliebt wegen ihres erfrischend kühlem Aroma. Im nördlichen Afrika trinkt man sie traditionell pur oder gemischt mit Schwarztee. Marokkanische Minze möchte einen sonnigen Standort.
Es gibt unüberschaubar viele Minzen!
Sie werden in Gruppen unterteilt:
Krause Minzen
Beispiele: Marokkanische Minze, Türkische Minze und Persische Minze
Pfefferminzen
(Es bleibt dahingestellt, was Minzen mit Pfeffer zu tun haben mögen.)
Beispiele: Thüringische Minze (Multimentha), Mitcham-Minze, Black-Spearmint
Fruchtminzen
Beispiele: Apfelminze, Orangenminze, Ananasminze
Die Frucht- und Krausen Minzen bevorzugen in der Regel Sonne, die Pfefferminzen eher lichten Halbschatten.
Minzen sind selten zu klein, sie sind sehr wuchsfreudig. Vor der Bepflanzung einer Kräuterspirale mit Minze sei ausdrücklich gewarnt! Die Kontrolle über das schnelle Wurzelwachstum ist schnell verloren


Zitronenverbene  Blattgold Dr.Becker ®

Zitronenverbene (Lippia citriodora)
Nicht etwa aus Frankreich, sondern ursprünglich aus Paraguay stammend, wird die nicht ganz winterharte, aber völlig pflegeleichte Pflanze als Tee, zu Süßspeisen oder gut auch zu würzigen Speisen wie Reis oder Gemüse verwendet (anstatt Zitronengras). Es ist die zitronigste Kräuterpflanze schlechthin! Sie behält ihr sehr starkes Aroma auch noch nach dem Trocknen.
Küchentipp: "Zitronennudeln"
Nudeln kochen, Butter mit in Scheiben geschnittene Biozitronen kurz erhitzen. Zitronenverbene und/ oder Zitronenbasilikum kleingeschnitten auf die Portionen geben und untermischen.
Majoran (Majorana hortensis)
Entsprechend seiner Mittelmeerheimat möchte er sonnig, warm und trocken stehen, in einem Boden, der gut wasserdurchlässig ist. Von Juli bis September zeigen sich kleine weiße Blüten. Tee aus Majoran hilft bei leichten Magen-Darm-Beschwerden. Majoranbutter hilft bei Schnupfen, indem sie das Durchatmen erleichtert und die äußere Nase und die Nasenschleimhäute pflegt. Bei Majoranbutter handelt es sich um ein einfach selbst herstellbares, völlig natürliches Mittel, welches seit Generationen von Hebammen bei Schnupfen beim Baby empfohlen wird.
Küchentipp: "Majoran-Kartoffeln"
Kleine, halbierte Kartoffeln mit der Schnittfläche nach oben auf einem Backblech ca. 30 min backen. Für die Majoran-Kruste: Kraut mit gehackten Sonnenblumenkernen und etwas Schwarzkümmel mischen und die gewendeten Kartoffeln damit belegen, etwas Öl darüber geben und überbacken.

Oregano, Buschoregano (Origanum vulgare)
Südeuropa ist die Heimat von Oregano. Er hat sich in vielen europäischen Ländern ausgebreitet und wächst -seiner Herkunft entsprechend- am wärmsten Platz in ihrem Garten (Boden trocken und durchlässig). Buschoregano wird nur etwa 20 cm hoch, er blüht rosa.
Küchentipp: Oregano ist ein echtes Pizzagewürz. Natürlich können auch Tomaten, Käse und südländische Gemüse aufgewertet werden (mitkochen). Ausgezeichnet auch als Tee gegen Husten und als Hilfe bei Magen- Darmbeschwerden!

Dill (Anethum graveolens)
Er wurde früher in Bauerngärten unter Gurken gesät. Damit sind Sonne, Windschutz und ausreichend Feuchtigkeit gleichermaßen gewährleistet. Von August bis September ist Blütezeit und der Dill trägt gelbe Dolden.
Ein Tee aus Dillsamen oder Blüten mit Honig ist ein beruhigendes Einschlafmittel, hilft überdies bei Verdauungsstörungen.
Frisches Kraut wird traditionell als Gurkengewürz genommen, auch zur Abrundung von gemischten Salaten und von Fischgerichten. Dillöl ist Bestandteil einiger Kräuterliköre.

Petersilie, kraus (Petroselinum crispum)
In manchen Regionen ist die krause Petersilie beliebter, weil sie auf Speisen dekorativer wirkt, allerdings schmeckt sie weniger würzig.
Die Samen sind giftig!

Lavendel (Lavandula angustifolia)
Lavendel ist die Heilpflanze des Jahres 2008. Ausschlaggebend für diese Wahl war vor allem die nervenberuhigende Wirkung des Lavendels. Wilder Lavendel ist heute in ganz Europa heimisch geworden, beansprucht aber entsprechend seines Ursprungs in den Mittelmeerländern viel Sonne und einen trockenen, leicht kalkhaltigen Boden mit gutem Wasserabzug. Er blüht blau im Juli und August. Lavendelsäckchen vertreiben Kleidermotten und der Lavendel-Duft wirkt beruhigend.
Seine Verwendung ist vielfältig:
Küchentipp: In der Küche werden junge Blatttriebe als Würze zu Fisch, Geflügel und Saucen gegeben, z.B. Kräuter der Provence.
Als Tee zubereitet (Blüten) wirkt er beruhigend und ätherisches Öl von Lavendel hilft bei Verbrennungen der Haut und Unruhe.
Beruhigend ist auch ein Lavendelbad. Den Extrakt kann man selbst herstellen: 50g Blüten mit 1 l kochendem Wasser übergießen, 15 min ziehen lassen, absieben und dem Badewasser zugeben. Damit setzt man eine alte römische Gewohnheit fort und hat zugleich eine Erklärung für die Namensgebung: Das lateinische Wort "lavare" bedeutet waschen, weil es seit jeher für duftende Lavendelseife verwendet wird. Getrocknete Lavendelblüten werden als Duftsträuße in den Wäscheschrank gelegt oder für Duftpotpourris verwendet.
Tipp: Lavendel gilt als typischer Rosenbegleiter, der mit seinem Aroma Ameisen und Blattläuse fernhält.

Ringelblume (Calendula officinalis)
Diese Bauerngartenblume gedeiht unter fast allen Bedingungen, in sonniger Lage allerdings ist ihr Gehalt an ätherischen Ölen am höchsten.
Küchentipp: In der Küche haben die Blütenblätter der Ringelblume und die jungen grünen Blätter ihren Platz in Salaten. Die gelben Blütenblätter können für raffinierte Kuchenrezepte verwendet werden.
Berühmt ist die Ringelblumensalbe für die Wundheilung, gegen Entzündungen und Quetschungen.
Tipp: Bereits seit Römerzeiten werden die äußeren Blütenblätter frisch oder getrocknet als Ersatz für Safran verwendet. Calendula-Safran hat zwar weniger Farbkraft als der echte, sorgt aber ebenso für goldgelbe Fleischsuppen oder Geflügelgerichte. Der Geschmack ist aromatisch und leicht bitter. Der ist es auch, der Schnecken fernhält.
Video von der Ringelblume:



Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
Die Staude kommt aus dem Mittelmeergebiet zu uns. Sie blüht weiß von Juni bis August. Achten Sie auf genügend Platz, die Melisse wuchert stark. Sie ist deshalb nicht für die Kräuterspirale zu empfehlen. Das ausgeprägt nach Zitrone duftende ätherische Öl der Blätter wirkt krampflösend und beruhigend, vertreibt Kopfschmerzen und hilft bei Verdauungsbeschwerden.
Küchentipp: In der Kräuterküche nimmt man frische Blätter für Salate und Quark, für Süßspeisen aller Art und natürlich ergibt sie einen fabelhaften Tee.
Schnittlauch (Allium schoenoprasum)
Beheimatet in Europas kühleren Zonen möchte Schnittlauch einen feuchten, nährstoffreichen, kalkhaltigen Boden. Sonne und Halbschatten verträgt er gleichermaßen. Von Mai bis Juni zeigen sich hübsche rötlich bis lilafarbene Scheindolden.
Küchentipp: Schnittlauch schmeckt frisch zu Rührei, Quark, Salat. Im Kartoffelsalat sind die essbaren Blüten ein optischer und geschmacklicher Zwiebelersatz. Hoher Vitamin C – Gehalt, harntreibend und antiarteriosklerotisch.
Tipp: Wenn Sie auf die Ernte verzichten oder nur einen Teil ernten, setzt Schnittlauch mit seinen schönen Blüten im Ziergarten attraktive Akzente, z.B. als Beeteinfassung.

Goldmohn (Eschscholzia californica)
Der Goldmohn hat mild krampflösende, beruhigende und schmerzstillende Eigenschaften. Goldmohn ist hilfreich zur Beruhigung und Schlafförderungund ist in der Kinderheilkunde eine wertvolle Arzneipflanze gegen Schlafstörungen beim Kind.
Video zu Goldmohn: 



Borretsch (Borago officinalis)
Borretschsamenöl (Boraginis officinalis oleum) enthält einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Gamma-Linolensäure. Es wird bei Hautkrankeiten, insbesondere dem atopischen Ekzem (Neurodermitis), eingesetzt. Die blauen Blüten sind essbar und es lässt sich Salat damit dekorieren.