Samstag, 3. Oktober 2015

Prosoziales Verhalten fördern mit Lubo aus dem All!

„Lubo aus dem All! – Vorschulalter“ ist ein soziales Trainingsprogramm für Kindergartenkinder. Da bereits 13 –18 % aller Vorschulkinder zumindest vorübergehend gravierende Verhaltensprobleme mit teils langfristigen negativen Folgen zeigen, ist ein altersangemessenes präventives Förderprogramm für den Kindergarten hilfreich, um das Wissen der Kinder über prosoziale Problemlösestrategien zu fördern und um prosozialen Verhalten zu verbessern.


Prosoziales Verhalten fördern  Blattgold Dr.Becker ®


Prosoziales Verhalten steht im Gegensatz zu antisozialem Verhalten. Es handelt sich dabei um Handlungen, die von der Gesellschaft positiv bewertet werden. Prosoziales Verhalten hat positive soziale Konsequenzen zur Folge und trägt zu physischem oder psychologischen Wohlergehen einer anderen Person bei. Beispiels für Prosoziales Verhalten sind z.B. Kooperation, Freundschaft, Hilfeleistung, Rettungsaktionen, Opfer bringen, Teilen, Sympathie, Vertrauen.


Problematische Verhaltensweisen bei Vorschulkindern sind beispielsweise Hyperaktivität, aggressives/oppositionelles Verhalten oder auch internalisierendes Verhalten wie Angst, Traurigkeit und Rückzugsverhalten. Während einige Verhaltensprobleme nur von vorrübergehender Natur sind, sind auch stabile aggressive Verhaltensprobleme die im Vorschulalter beginnen zu beobachten. Diese haben langfristige negative Folgen wie spätere psychische Störungen, Schulabbrüche und Delinquenz. Kinder mit Verhaltensstörungen verfügen häufiger über geringere sozial-emotionale Kompetenzen. Die Emotionsregulation fällt ihnen schwer, und sie besitzen deutlich weniger soziale Problemlösestrategien. Hinzu kommt eine geringere Empathiefähigkeit und kaum unterstützende, positive Freundschaften. Hiermit zusammenhängend verfügen sie häufig über eine recht starre sozial-kognitive Informationsverarbeitung und bevorzugen aggressive Verhaltensweisen in Konflikten.


Inhalte in „Lubo aus dem All!“ für das Vorschulalter sind die Vermittlung von Emotionswissen, Emotionsausdruck und Emotionsrregulation sowie von sozialen Konflikt- und Problemlösestrategien, aber auch von Perspektivübernahme und dem Aufbau von Freundschaften. Die theoretische Grundlage stellt dabei das Modell der sozial-kognitiven Informationsverarbeitung (SIP) dar. In Form eines Manuals liegen 34 klar strukturierte Sitzungen vor, die jeweils 35–40 Minuten dauern. Sie werden über einen Zeitraum von circa 12 Wochen dreimal wöchentlich in Kleingruppen von 9–14 Vorschulkindern durch Erzieher/innen durchgeführt. Das soziale Training ist in eine Rahmenhandlung um den „Außerirdischen Lubo“ eingebettet. In der Geschichte reist „Lubo“ auf die Erde, um etwas über Gefühle, Freundschaften und ein gutes Miteinander zu lernen. Er stößt dabei immer wieder auf soziale Probleme und die Kinder helfen „Lubo“ bei der Problemlösung und damit auch sich gegenseitig. Sowohl die Eltern als auch die Erzieher/innen weden aufgefordert, verschiedene Rituale wie „Lubos Problemlösekreis“, eine kleinschrittige Denkstrategie zur Lösung sozialer Problemsituationen, im Alltag aufzugreifen.

Im Großraum Köln willigten 15 von 100 zufällig ausgewählten Kindergärten ein, an einer Studie über die Wirksamkeit von "Lubo aus dem All" teilzunehmen. Sowohl direkt nach der Intervention als auch fünf Monate später zeigten sich in Bezug auf die prosozialen Problemlösestrategien bei den trainierten Kindern beträchtliche Verbesserungen. Die Kinder hatten nach dem Training mit "Lubo aus dem All"mehr positive Strategien zum Umgang mit problematischen sozialen Situationen zur Verfügung als vorher. Die positiven Ergebnisse durch „Lubo aus dem All!“ könnten auf die altersadäquate Gestaltung mit aktivierenden und affektiven Methoden zurückzuführen sein.

Ein altersangemessenes soziales Förderprogramm im Kindergarten kann also das kindliche Wissen über prosoziale Problemlösestrategien verbessern. Das soziale Training „Lubo aus dem All!“ kann insofern als eine effektive Präventionsmaßnahme im Kindergarten zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und Vermeidung von Verhaltensstörungen vor deren Verfestigung angesehen werden.


Quelle:
Prävention von Verhaltensstörungen durch Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen im Vorschulalter
Preventing behavioral disorders via supporting social and emotional competence at preschool age
Dtsch Arztebl Int 2015; 112(39): 647-54; DOI: 10.3238/arztebl.2015.0647

Schell, Annika; Albers, Lucia; Kries, Rüdiger von; Hillenbrand, Clemens; Hennemann, Thomas

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