Sonntag, 25. Januar 2015

Vergiftungen von Kindern durch Teebaumöl

Die Aufnahme erheblicher Mengen (max. 10 ml) Teebaumöl durch Kinder wurde in der medizinischen Literatur mehrfach beschrieben. Teebaumöl, durch Destillation aus Melaleuca alternifolia gewonnen, enthält 50-60% Terpene und verwandte Alkohole. Klinische Erfahrungen mit Produkten die Teebaumöl enthalten sind begrenzt und es ist nicht als Arzneimittel zugelassen.


Teebaum Melaleuca alternifolia. Quelle: Wiki commons

Ein Bericht schildert den Fall eines 17 Monate alten Jungen, der etwas weniger als 10 ml des ätherischen Öls trank und dadurch Symptome wie Ataxie und Benommenheit entwickelte. Die Ataxie ist eine Störung der Bewegungskoordination und Haltungsinnervation. Sie äußert sich in unkontrollierten und überschüssigen Bewegungen.
Ein anderer Bericht beschreibt den Fall eines 23 Monate alten Jungen, der 30 Minuten nach dem Verschlucken von weniger als 10 ml Teebaumöl verwirrt war und nicht mehr gehen konnte. Das Kind wurde in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht. Sein Zustand verbesserte sich und nach 5 Stunden war er wieder symptomfrei. Am nächsten Tag wurde er wieder nach Hause entlassen. Dieser Fallbericht zeigt, dass das Verschlucken einer geringen Menge ätherischen Öls Zeichen einer Vergiftung hervorrufen kann.



Zum Schluss ein Fallbericht über einen 4 Jahre alten Jungen, der eine unbekannte Menge Teebaumöl verschluckte. Innerhalb von 30 Minuten wurde er ataktisch (bewegungsgestört) und kurz darauf verschlechterte sich sein Zustand so sehr dass er nicht mehr ansprechbar war. Eine Notintubation musste durchgeführt werden, um dem Kind das Leben zu retten. Der neurologische Zustand des Kindes verbesserte sich binnen 10 Stunden allmählich und er erholte sich bis es ihm wieder gut ging.
Teebaumöl ist ein beliebtes, frei verkäufliches ätherisches Öl, welches gegen verschiedene, durch Mikroorganismen verursachte Hautkrankheiten als Allheilmittel gilt. Leider wird auf den Fläschchen von den Herstellern nicht immer auf die Giftigkeit des ätherischen Öls hingewiesen. Eltern sollten sich bewusst sein welche Gefahr von ätherischem Öl ausgehen kann. Ebenso sollten Notärzte, Aromatherapeuten und Kinderärzte über die Giftigkeit von Teebaumöl bescheid wissen.
Die kleinste handelsübliche Abgabemenge von Teebaumöl ist ca. 5 ml. Da bereits bei dieser Menge mit ernsthaften Vergiftungserscheinungen bei Kindern zu rechnen ist, sollten die Ölfläschen grundsätzlich unzugänglich für Kinder aufbewahrt werden. Sollte es zum ungewollten Verschlucken einer unbekannten Menge von Teebaumöl kommen, sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden. 
Im Jahr 2003 wurde vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine Stellungnahme über die Verwendung von unverdünntem Teebaumöl als kosmetisches Mittel herausgegeben. Vergiftungsfälle mit Teebaumöl bei Menschen aber auch bei Haustieren sind bekannt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt daher, die Konzentration von Teebaumöl in kosmetischen Mitteln auf maximal 1 % zu begrenzen.

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Quellen:
J Toxicol Clin Toxicol. 1994;32(4):461-4. Melaleuca oil poisoning. Jacobs MR1, Hornfeldt CS.
Vet Hum Toxicol. 1995 Dec;37(6):557-8. Melaleuca oil poisoning in a 17-month-old. Del Beccaro MA1.
Pediatr Emerg Care. 2003 Jun;19(3):169-71. Ingestion of tea tree oil (Melaleuca oil) by a 4-year-old boy. Morris MC1, Donoghue A, Markowitz JA, Osterhoudt KC.

http://www.bfr.bund.de/cm/343/verwendung_von_unverduenntem_teebaumoel_als_kosmetisches_mittel.pdf

Samstag, 10. Januar 2015

Vergiftungen von Kindern durch ätherisches Öl

Am häufigsten werden von Kindern Inhalate oder Duftöle verschluckt. Bei Inhalaten besteht eine große Verwechslungsgefahr mit anderen Medikamenten in Tropfenform. Ätherisches Öl wird in oft als Erkältungsmittel, zur Raumluftverbesserung in Duftlampen, in Fleckentferner und Putzmitteln, zur Aromatherapie und in Kosmetika verwendet. 



Vorkommen ätherischer Öle im Haushalt:

Babix Inhalat N
Es wird häufig bei Säuglingen mit Erkältung angewendet. Dies ist eine Flüssigkeit zur inhalativen Anwendung durch Auftropfen auf ein Kleidungsstück bei Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege. Es enthält 30% Eukalyptusöl und 70% Fichtennadelöl.

Bronchosekretolytika und Expektoranzien
Diese in der Kinderheilkunde viel verwendete Medikamentengruppe beinhaltete ätherische Öle. Meist unverdünnte Eukalyptus- oder Pfefferminzöle.

Duftöl
Duftöle werden als Luftverbesserer (z.B. Anti-Rauch), zur Raumaromatisierung (Weihnachtsduft) in Duftlampen. Sie enthalten meistens synthetische ätherische Öle. 





Ätherisches Öl in der Duftlampe Blattgold Dr.Becker ®


Mottenmittel
Flüssige Mottenmittel enthalten bis zu 100% ätherisches Öl oder Duftöle.

Parfumöle
Zur aromatisierung der Raumluft, aber auch von Kosmetika wie Seifen oder Reinigungsmitteln. Sie können sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein, es wird natürlich vorkommendes oder naturidentisches sowie synthetisches ätherisches Öl in unterschiedlichen Konzentrationen verwendet. Es können zusätzlich Alkohole, Emulgatoren und Propylenglykol enthalten sein. Bisher hat es sich bewährt diese Produkte toxikologisch wie ätherisches Öl einzuschätzen.

Wie verstoffwechselt der Körper ätherisches Öl

Soweit bekannt wird ätherisches Öl rasch und gut aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Die Ausscheidung erfolgt über die Lunge sowie Haut- und Schleimhäute. Geringe Mengen werden von der Leber verstoffwechselt und ein Teil wird überwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden.





Video Heilpflanze Pfefferminze: 



Wie giftig ist ätherisches Öl?
Leichte Symptome können schon nach Verschlucken weniger Tropfen auftreten. Schwere Symptome treten nur nach Aufnahme größerer Mengen auf. Dies ist vor allem bei Säuglingen der Fall wenn ätherisches Öl mit einem anderen Medikament verwechselt wird und dem Säugling durch Fremdbeibringung eingeflößt wird. Viele ätherische Öle haben keine schleimhautreizende Wirkung und haben einen guten Geschmack.

Vergiftungsbild
Die Symptome treten innerhalb von 2 Stunden nach dem Verschlucken auf. Leichte Symptome können Magen-Darm-Beschwerden sein oder ZNS-Symptome die an einen Alkoholrausch erinnern wie Schläfrigkeit, Unruhe, Zittern, Distanzlosigkeit und Gleichgewichtsstörungen. Schwere Symptome sind nur von Seiten des ZNS zu erwarten wie zunehmende Schläfrigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit und Krampfanfälle. Nach Fremdbeibringung bei Verwechslung mit Hustentropfen oder durch ältere Geschwister als "Therapie" kann bei Säuglingen ein lebensbedrohlicher Kehlkopfkrampf hervorgerufen werden wodurch es zu Luftnot und den sich daraus entwickelnden Folgen kommt sowie Krampfanfällen.
Vorübergehende Nierenfunktionsstörungen oder Leberschäden sind nur bei sehr starken Vergiftungen zu erwarten. An der Ausatemluft lässt sich erkennen ob sehr große Mengen ätherisches Öl aufgenommen wurden, weil die Ausscheidung überwiegend unverändert über die Lungen erfolgt. Duftet die Ausatemluft nicht nach ätherischem Öl können trotzdem kleine Mengen verschluckt worden sein. Tödliche Vergiftungen sind durch versehentliches Verschlucken nicht zu erwarten. Nach Abklingen der Symptome sind keine bleibenden Schaden zu erwarten.



Maßnahmen nach Verschlucken von ätherischem Öl
Bei ungewöhnlichen Symptomen und Verschlucken durch Kinder sollte ein Giftinformationszentrum und der Kinderarzt zu Rate gezogen werden. Abhängig vom Alter des Kindes und von der verschluckten Menge ätherisches Öl ist es manchmal schon ausreichend Kinder für 2 Stunden beim Kinderarzt zu überwachen. Bei Symptomen sind Kinder im Krankenhaus stationär zu überwachen bis die Symptome abklingen, ggf. symptomorientiert zu therapieren. Eine Magenentleerung ist nur bei größeren Mengen (5ml = 1 Schluck bei Kleinkindern) und einer Latenz von weniger als 1 Stunde nach Aufnahme sinnvoll. Bei Krampfanfällen wird mit Benzodiazepinen behandelt, das Kind sollte 12 Stunden lang auf einer Intensivstation überwacht werden und es sind anschließend EEG- und neurologische Kontrollen notwendig. Bei Auftreten eines Kehlkopfkrampfes bei Säuglingen scheint eine Maskenbatmung ausreichend zu sein und anschließens muss der Säugling für 12 Stunden auf einer Intensivstation überwacht werden. 


Ätherisches Öl von Kampfer
Eine Sondersstellung unter den ätherichen Ölen nimmt die Therapie bei Vergiftung mit Kampfer ein. Hier muss immer eine stationäre Überwachung und zusätzlich eine Magenspülung wenn innerhalb einer Stunde möglich, erfolgen, ausserdem eine symptomorientierte Therapie. Für Kleinkinder liegt die tödliche Dosis bereits bei unter 1g. Es sind Fälle bekannt, in denen die Exposition gegenüber 500 mg ätherisches Öl von Kampfer als Todesursache gereicht hat. Häufiger sind Fälle bei denen es bei einer Dosis von 750 bis 1000 mg unter Entwicklung von Krämpfen zum Tod kam. Kanadische Autoren beschreiben die Fälle zweier Kinder, die schwere Vergiftungen nach versehentlicher Einnahme einer geringen Menge von ätherisches Öl von Kampfer erlitten. Beide Kinder zeigten generalisierte tonisch-klonische Anfälle mit nachfolgender Atemdepression. Die Behandlung bei einer derartigen Kampfervergiftung ist symptomatisch, bestehend aus medikamentöser Anfallskontrolle und künstlicher Beatmung. In einem anderen Fall wird von einem jungen Kind berichtet, das in Hong Kong lebte und mit einem schweren epileptischen Anfall nach einem Hin-und Rückflug in Paris im Krankenhaus vorgestellt wurde. Die Routine-Labor-Tests gaben zunächst keinen Hinweis auf eine Vergiftung. Auf weitere Nachfragen des Arztes, berichteten die Eltern, dass das Kindermädchen dem Kind eine Bauchmassage mit einer unbeschrifteten Lösung als Mittel gegen Blähungen gegeben hatte. Die toxikologische Analyse dieser Lösung zeigte die Anwesenheit von Kampfer. Dieser Fall unterstreicht, dass ätherisches Öl in fachkundige und professionelle Hände gehören und verweist auf die extreme Gefahr, die für Kleinkinder mit Kampfer verbunden ist, auch wenn es nur über die Haut verabreicht wird.


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Quellen: 

Theis JG, Koren G. Camphorated oil: still endangering the lives of Canadian children. CMAJ. 1995 Jun 1;152(11):1821-4. 

Guilbert J, Flamant C, Hallalel F, Doummar D, Frata A, Renolleau S. Anti-flatulence treatment and status epilepticus: a case of camphor intoxication. Emerg Med J. 2007 Dec;24(12):859-60.

Love JN, Sammon M, Smereck J. Are one or two dangerous? Camphor exposure in toddlers. J Emerg Med. 2004 Jul;27(1):49-54.